deuxpiece @ bürobasel

presents

TOUT PORTE À CROIRE QUE...

Nives Widauer - Deirdre O’Leary - Stephanie Sczepanek

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Ausstellung:

 6 Juli - 1 August 2020

Eröffnung:
Sonntag, 5 Juli 2020, 14 – 18 Uhr

   Öffnungszeiten:

Freitag 14 – 18 Uhr

und nach Vereinbarung +41 (0) 76 466 85 76 / post@buerobasel.com 

Wo:

bürobasel

St. Johanns-Vorstadt 46

4056 Basel

Online-Arbeit von Stephanie Sczepanek: https://www.instagram.com/deuxpiece/stories

Vermittlung:

Online-Live-Artist Talks

 jeweils Donnerstag 18-19 Uhr 

Anmeldung: stefanie@deuxpiece.com

9.7. Micro und Macro – Artist Talk mit Nives Widauer

23.7. Körper und Erinnerung – Artist Talk mit Stefanie Sczepanek

30.7. Über Körperbilder – Artist Talk mit Deirdre O‘Leary

Auf Einladung von bürobasel zeigt das nomadische Kuratorinnenkollektiv deuxpiece die Ausstellung TOUT PORTE À CROIRE QUE… mit einer Zeichnungsserie von Nives Widauer (Wien, AT), Objekten von Deirdre O’Leary (Basel, CH) und performativen Beiträgen von Stephanie Sczepanek (Münster, DE).

Welcherart Körperbilder finden sich abseits der üblichen massenmedialen Ästhetiken? Mit welchen Mitteln und Wegen erforschen Künstlerinnen physische und psychische Prozesse innerhalb des menschlichen Organismus und dessen Beziehung zu seiner natürlichen und gesellschaftlichen Umwelt? In einem ihrer Essays über Kunst, Geschlecht und Geist (New York 2016) schreibt

Siri Hustvedt: «A work of art has no sex. The sex of the artist does not determine a work’s gender,which may be one or another, or multiple versions thereof. (...) Emotion is always part of perception, not distinct from it. (…) feelings in relation to people and objects and the language

we use to express them—become body, are of bodies.» Einfühlung und Empathie beeinflussen grundlegend die menschlichen Wahrnehmungsprozesse und sind wesentlich sowohl für die Produktion als auch die Erfahrung von Kunst.

Die Ausstellung «Tout porte à croire que…» versammelt drei unterschiedliche Positionen, in denen das vermeintlich weibliche Einfühlungsvermögen zur zentralen Grundlage des künstlerischen Ausdrucks wird. Die Künstlerinnen verbindet ein poetischer Blick auf Alltägliches und die Gleichzeitigkeit

von konkreten und metaphorischen Auslegungen. Eine gemeinsame thematische Basis ist dabei der menschliche Körper, den sie auf unterschiedliche Weise als Ort, Ausdruck und Material von zyklischen Verwandlungen beforschen. Er wird zum Gegenstand von Wahrnehmungs- und Deutungsprozessen, zum materiellen Träger von Zeichen und schliesslich zum Medium um Beziehungen zwischen inneren und äusseren Wirklichkeiten herzustellen.

Nives Widauers Aquarellzeichnungen aus der Serie «Body Talk» (2017- fortlaufend) nehmen anatomische Lehrtafeln aus einem medizinischen Atlas von 1780 zum Ausgang, die auf Paracelsus’ Handzeichnungen des menschlichen Körpers zurückgehen. Die Serie ist Teil einer langjährigen Auseinandersetzung mit dem Körperverständnis des Mediziners, das die in Wien lebende Schweizer Künstlerin während einer Residency in Basel intensivierte. Nun werden die Arbeiten erstmals in dieser Stadt gezeigt, in welcher Paracelsus selbst einst lehrte. In der Exaktheit der Darstellung und der Regelhaftigkeit der Komposition vermittelt das Ausgangsmaterial den Anspruch

von Objektivität und die Abwesenheit eines schaffenden Körpers. Daraus lässt Nives Widauer farbige, surreale Formen treiben, deren Duktus und idiosynkratischer Witz die Spur der lebendigen Hand der Künstlerin zeigen. So entstehen neue, wahrnehmungsgebundene Körperbilder, in denen das assoziative und dialogische Denken zum Ausdruck kommt, welches das gesamte

Werk der Künstlerin prägt.

Die psychologische Dimension von Medien spielt in Lea Rüeggs (Basel und Brüssel) filmischen und performativen Schaffen eine entscheidende Rolle. Rüegg untersucht den Einfluss von Technologien auf Emotionen und das Verständnis von Raum und Zeit und sucht dabei nach den kollektiven Traumata, die den Umgang mit Medien prägen. In ihren Arbeiten geht es um das Schwanken zwischen räumlicher An- und Abwesenheit der Körper, das grenzüberschreitende Potential der Stimmen und das Leben mit Geistern in unserer digitalen Kultur der Simultaneität. Die Ausstellung zeigt Rüeggs aktuellen Film How to be intimate with a ghost. Zur Ausstellungseröffnung präsentiert sie erstmals die neu entwickelte Performance Madame Malaise.

Deirdre O’Learys Installationen arbeiten mit dem metaphorischen Potential von Farb-, Formund Materialverbindungen. Durch Bezüge und Leerstellen zwischen den Objekten entstehen dabei freie Erzählungen im Raum. Die beiden aus Wolle getufteten Arbeiten «Körperbild (Solarplexus)» und «Körperbild: Die Zunge, das Blau, die Zwillinge » (2019) nehmen mehrfach Bezug

auf den menschlichen Körper: Sowohl in der abstrahierenden Formensprache und ihrem farblichen Verweis auf Chakren aIs auch in ihrer Fertigung, welche die Auseinandersetzung mit einer jahrhundertealten Handwerkskunst zeigt. Im Kontrast zur materiellen Schwere der Teppiche steht ihre jüngste Werkreihe der «Samenkapseln» (2020), deren transluzentes Glas eine Qualität von

Nives Widauers Aquarellen teilt: In seinem festen Zustand enthält das Material noch die Erinnerung seiner vormals flüssigen Konsistenz. Als potentieller Ursprung ist der Samenkörper Bild für die zyklischen Verwandlungen lebendiger Organismen.

Die prozesshaften Performances von Stephanie Sczepanek zeichnen sich aus durch ihre eindringliche physische und sprachliche Präsenz – ein Agieren oftmals bis hin zur Erschöpfung. Sie verhandeln die Grenzen von Alltag und Kunst, soziale Normen, Scham, Ängste und Obsessionen.

Dabei setzt Sczepanek spielerisch höchst private Handlungen in den öffentlichen Raum oder schafft intime Situationen, in denen sie die konventionell distanzierte Haltung des Publikums herausfordert. In Anerkennung der derzeit besonderen Ausstellungsbedingungen zeigt die Ausstellung eine Videodokumentation der Arbeit «Wie lange ist gestern» (2019), einer performativen Wandzeichnung, in der Sczepanek dem Durchleben der Vergangenheit in der Erinnerung körperlichen Ausdruck verleiht. Ihre mediale Performance «Nichts ist nicht Nichts» (2020) entwickelt sich

über Instagram-Stories über den Verlauf der Ausstellung.

Hier der Saaltext zum download (DE)

Ausstellungsansicht bürobasel.

Vorne: Nives Widauer. Body Talk (2017- fortlaufend),

dahinter: Deirdre O‘Leary. Körperbilder (2019)

Photo: Alice Wilke

Exhibition:

 July 6 - August 1, 2020

Opening:
Sunday, July 5, 2020, 2 – 6pm

   Opening hours:

Friday 2 – 6pm

and by appointment +41 (0) 76 466 85 76 / post@buerobasel.com 

Where:

bürobasel

St. Johanns-Vorstadt 46

4056 Basel

Ongoing online performance by Stephanie Sczepanek: https://www.instagram.com/deuxpiece/stories

Vermittlung:

Online live events

Thursdays 6 - 7pm

Please register: stefanie@deuxpiece.com

July 9 Micro und Macro – Artist Talk with Nives Widauer

July 23 Körper und Erinnerung – Artist Talk with Stefanie Sczepanek

July 30 Über Körperbilder – Artist Talk with Deirdre O‘Leary

On invitation by bürobasel the nomadic curators collective deuxpiece (Basel-Berlin) shows the exhibition TOUT PORTE À CROIRE QUE... with a series of drawings by Nives Widauer (Wien, AT), objects by Deirdre O’Leary (Basel, CH), and performative works by Stefanie Sczepanek (Münster, DE).

Which kinds of images of the body are to be found apart from the usual mass medial aesthetics? How do artists explore the physical and psychological processes within the human organism in relation to its natural and social environment? In one of her essays on art, gender and the mind (New York 2016) Siri Hustvedt says: «A work of art has no sex. The sex of the artist does not determine a work’s gender, which may be one or another, or multiple versions thereof. (...) Emotion is always part of perception, not distinct from it. (…) feelings in relation to people and objects and the language we use to express them—become body, are of bodies.» Processes of human perception are fundamentally influenced by empathy and so is the production

and experience of art.

The exhibition «Tout porte à croire que...» brings together three different artistic positions which use the seemingly female capacity for empathy as the main source of creative expression. These three artists are sharing a poetic view on the everyday and the simultaneity of direct and metaphoric interpretation. Their common thematic ground is the human body, which they explore as site, product and material of cyclic changes. It becomes object of processes of perception and interpretation, serves as material carrying signifiers and is used as a medium to create relations between internal and external realities.

Nives Widauer‘s watercolours from her series «Body Talk» (2017- ongoing) are based on educational anatomical illustrations from an 18th century medical atlas. Widauer’s associative interpretations of these

seemingly objective images transform them into dialogic images of the body grounded on experience.

This series is product of her long and profound engagement with Paracelsus‘ concept of the human body, which she intensified during her residency in Basel – the city where the famous physician once lectured.

With their exact representation and regular composition, the historical prints claim objectivity and seem to lack the presence of a creative body. From these, Nives Widauer grows colourful and surreal shapes with an

idios-yncratic wit and visible ductus that shows the trace of the living hand of the artist. Hereby she creates new body images based on physical experience and expressing the associative and dialogical thinking

which shapes her whole artistic work.

In her installations, Deirdre O’Leary explores the metaphoric potential of combinations of colour, form and materials as well as the narrative quality of relations in space. Her works «Körperbild (Solarplexus)» und

«Körper-bild (Die Zunge, das Blau, die Zwillinge)» (Body image (Solarplexus) and Body image (The tongue, the blue, the twins )) (2019) refer to the human body in several ways – in terms of their abstracted formal vocabulary and colour reference to body chakras as well as in their manufacturing, showing the artist’s occupation with the centuries-old craft of wool tufting. The heavy material of those rugs is contrasted by her latest series «Samenkapseln» (Seed capsules) (2020), which are made of glass. Just like the watercolour in Nives Widauer’s drawings this material contains the memory of its former liquid state. Being a potential beginning, the seed serves also as an image for the cyclic changes in living organisms.

Stephanie Sczepanek’s processual performances show an intense physical and verbal presence – often to the point of exhaustion. They deal with the boundaries of art and everyday life, social norms, shame, fears and obsessions. Sczepanek playfully takes private activities into the public realm or creates intimate situations to challenge the conventionally distanced stance of the audience. Reflecting the current difficulties to

present live performance art, the exhibition shows a documentation of her performative wall drawing «Wie lange ist gestern» (How long is yesterday?) (2019), in which Sczepanek gives physical expression to reliving

the past in memory. Her medial performance «Nichts ist nicht Nichts» (Nothing is not nothing) (2020) will develop via Instagram-Stories during the course of the exhibition.

download the full text here

Stephanie Sczepanek, I draw lines with my index finger along existing lines in palms, fingers and wrists. I find images in the hands of people they would never expect (2015),

Performance, Kunsthalle Recklinghausen

Photo: Videostill von Katharina Siemeling